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Im Raum der Entscheidungen by Jan Paulich

„Alexa Trigger, Sitzung Start!“, das Licht geht an. Ich stehe in einem grossräumigen, futuristisch anmutenden Sitzungszimmer in Zürich-West, umgeben von Bildschirmen, einer ausgestellten Drohne und Matthias Knuser, der soeben den Sprachbefehl erteilte und mich heute entführt. Mit guter Absicht.

Der Geschäftsführer der auf 3D-Modelle und High-End-Visualisierungen spezialisierten Raumgleiter AG, einer Schwesterunternehmung von Halter, demonstriert mir an diesem Tag die technischen Raffinessen des sogenannten Decision Rooms. Das neuartige Raumkonzept wurde im Frühjahr 2017 durch Halter initiiert, gemeinsam mit Raumgleiter umgesetzt und wird heute von beiden Unternehmen gleichsam genutzt.

Das allgegenwärtige Anthrazit, die dunkle, schnörkellose Tischplatte, neun riesige Touchscreens, eine Videowand, blaue LED-Streifen und die graue Zickzack-Schallisolation an der Decke hinterlassen den Eindruck, als befände ich mich in einer Art Kontrollraum der Zukunft. Oder, in den Worten von Knuser: „Kinofeeling“. Er erklärt, der Decision Room sei so gestaltet, um den Fokus auf die Inhalte der Bildschirme zu richten.

Reise durch eine neue Welt

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Matthias Knuser stellt die ArchViewer-App auf dem Surface Hub zur Schau.

Der Rundgang beginnt bei der Schaltzentrale, dem Surface Hub am vorderen Ende des Raums. Der 84 Zoll grosse Touchscreen dient unter anderem für Präsentationen und zur Veranschaulichung der hauseigenen ArchViewer-App von Raumgleiter, womit sich beispielsweise 3D-Modelle von Gebäuden in unterschiedlichen Varianten direkt in Google Maps besichtigen lassen. Die im Surface Hub integrierten Mikrofone sowie die Kamera mit Gesichtserkennung erlauben zudem störungsfreie Videokonferenzen.

Zur weiteren Führung durch den Raum wechselt Knuser an die Seitenwand, die mit acht weiteren Touchscreens bestückt ist. Die im Hochformat angeordnete Serie der 55 Zoll grossen Bildschirme erstreckt sich über die ganze Länge des Decision Rooms. Dank ihnen lassen sich beispielsweise bei Architekturwettbewerben, wie jüngst demjenigen des vanBaerle-Areals in Münchenstein, die unterschiedlichen Projekteingaben gleichzeitig darstellen und optimal vergleichen.

Impression der Jurierung des Architekturwettbewerbs vanBaerle im Decision Room. Foto von Franca Pedrazetti

Jetzt ist für mich die Zeit gekommen, um erstmals Virtual Reality zu erleben. Vermutlich gehöre ich damit unter den Digital Natives zu den Spätzündern, was meine Vorfreude jedoch nicht zu trüben vermag. Ich stelle mich auf die durch einen grossen Teppich markierte «Spielfläche», schnalle mir die Virtual Reality-Brille an und finde mich in einer computergenerierten, täuschend echten Wohnung wieder, durch die ich mich mithilfe von zwei Controllern in der Hand frei bewegen kann. Knuser verfolgt meine virtuellen Gehversuche auf einer 2,4 Meter hohen Videowand, die den hinteren Teil des Decision Rooms komplett bedeckt. Die Höhe der Wand entspricht der üblichen Raumhöhe von Wohnungen, dadurch wirken virtuelle Besichtigungen realitätsnah. Unterstützt wird das Virtual Reality-Erlebnis von einem Dolby Atmos Soundsystem. Kinofeeling eben.

Ich stelle fest: Badminton spielt sich auch in einer Virtual Reality-Wohnung nicht leicht.
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Diese unscheinbare 360°-Kamera hält die im Decision Room gefällten Entscheide fest.

Die vielen technischen Gadgets verleiten dazu, den Decision Room als Spielplatz für Tech-Freaks zu betrachten. Das Hauptaugenmerk liegt aber darauf, die bestmöglichen Rahmenbedingungen zu schaffen, um wichtige und richtige Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen, die von einer kleinen, runden 360°-Kamera in der Mitte des Tisches zum Schluss eines jeden Meetings aufgenommen und protokolliert werden. Dann: “Alexa Trigger, Sitzung Ende!”.

Balance zwischen Spielerei und Mehrwert

Auch Alex Valsecchi, Leiter Business Development Zürich und Mitglied der Gruppenleitung von Halter, betont: „Der Decision Room hilft uns nicht nur, die Erlebnisse der Kunden massiv zu steigern und deren Entscheidungsfindung zu unterstützen, sondern schafft als potentes Tool die Möglichkeit, unserem Anspruch des Digital Leaderships gerecht zu werden. Der Raum bietet die geeignete Umgebung, in der sich die zunehmend digitalen Planungs-, Bau- und Vermarktungsprozesse effizient und effektiv umsetzen lassen. So ist unter anderem geplant, physische Musterwohnungen künftig durch deren digitale Zwillinge abzulösen, welche spezifische Wohnungen samt Aussicht, Materialisierung und Möblierung im Detail simulieren”. Laut Valsecchi wird der Raum aber auch als Versuchslabor für die Weiterentwicklung der eigenen Arbeitsorganisation und Prozesse dienen.

Aufgrund des bisherigen Erfolgs wurden vor kurzer Zeit in den Räumlichkeiten der Halter-Geschäftsstellen in Basel und Bern zwei weitere Decision Rooms eingerichtet, ein weiterer wird in Lausanne folgen.