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«Die Digitalisierung muss im Dienst des besseren Ergebnisses stehen.» by Nik Grubenmann

Das gut erschlossene, bisher industriell genutzte VanBaerle-Areal zwischen Bahnhof und Dorfkern von Münchenstein wird sich in den kommenden Jahren zu einem attraktiven, urbanen Wohnquartier mit einem breiten Nutzungsspektrum und Zentrumsfunktionen wandeln. Ein erster planerischer Meilenstein ist der städtebauliche Studienwettbewerb. Die Projektverantwortlichen haben dabei mit einem digitalen Wettbewerb neue Wege beschritten. Ein Gespräch mit Daniel Kapr, Mitglied der Geschäftsleitung Raumgleiter AG.

Was unterscheidet einen digitalen von einem herkömmlichen Wettbewerb?

Im konventionellen Verfahren werden alle Unterlagen und Pläne der Teams in 2D abgegeben; allenfalls wird noch eine Excel-Tabelle für die Flächen zusammengestellt. Dies hat zur Folge, dass die Architektenteams sehr viel Zeit und Aufwand für die Präsentation ihres Wettbewerbsbeitrags aufwenden. Jeder möchte ja die Schokoladenseite präsentieren. Es werden sehr realistische Visualisierungen und eindrückliche Gipsmodelle erarbeitet. Dieses Vorgehen verleitet allerdings auch dazu allfällige funktionale Defizite eines Vorschlags zugunsten einer visuellen Überzeugungskraft unter den Teppich zu kehren. Dieser Entwicklung wollten wir gezielt mit der Ausschreibung eines digitalen Wettbewerbs entgegenwirken.

Was war die Herangehensweise im Projekt VanBaerle?

Wie gesagt, wir beabsichtigten uns bewusst von einem konventionellen Wettbewerb zu lösen und haben das 3D-Modell ins Zentrum des Wettbewerbs gestellt. Dabei stand aber immer im Vordergrund, die Digitalisierung nicht als Selbstzweck zu betreiben, sondern im Dienste eines besseren und effizienteren Ergebnisses. Gemeinsam mit den Projektverantwortlichen von Halter Entwicklungen haben wir uns zunächst die Frage gestellt, was wir uns überhaupt als Ergebnis des Wettbewerbs erhofften. Es hat sich schnell herauskristallisiert, dass wir eine phasenweise Herangehensweise verfolgten, bei der zunächst die städtebaulichen Aspekte geklärt werden sollten.

Stehen dahinter auch Überlegungen zu neuen Ansätzen im Bereich Digitales Planen und Bauen?

Ganz klar. Der Planungs- und Bauprozess im Sinne von Virtual Design and Construction muss – wenn man es ernsthaft betreibt – auch Auswirkungen auf die Prozesse haben. Mit Design, Engineering, Construction und Betrieb verfolgen die Projektverantwortlichen ein Phasenmodell, dass sich deutlich von einem konventionellen Vorgehen nach SIA unterscheidet. Wir sind rasch zur Übereinstimmung gelangt, dass sich diese Entwicklung auch im Aufbau des Wettbewerbs niederschlagen muss.

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Wie ist man nun konkret vorgegangen?

Die wichtigste Frage war: Welchen Detailierungsgrad ist für die Phase Städtebau adäquat? Daraus ergab sich die Zusammenstellung aus Volumen, Geschossigkeit, Nutzungen und die Gliederung der Umgebung inklusive Verkehrsführung als Anforderungskatalog. Dahinter stand auch die Überlegung, das sogenannte Phasenmodell auf dem Hintergrund der Fertigstellungsgrade – oder Level of Development – aus der BIM-Welt zu adaptieren.

Welche Unterlagen waren Bestandteil der Ausschreibung?

Neben einem konventionellen Programm haben wir ein 3D-Modellplan zur Verfügung gestellt. Darin waren die Angaben enthalten, mit welchen Bauteilen und Informationen die Teams das 3D-Modell erstellen sollten. Zusätzlich haben wir ein Umgebungsmodell mit dem Bearbeitungsperimeter und zwei Referenzpunkten für die Geo-Referenzierung mitgeliefert. Mit diesen Vorgaben konnten wir sicherstellen, dass die Vergleichbarkeit der einzelnen Beiträge gewährleistet war und gewisse Aspekte der Auswertung automatisiert werden konnten.

Wie reagierte die Jury auf die neue Form des Wettbewerbs?

Es war interessant zu beobachten, wie während der Präsentationen der Teams der Fokus ganz auf den zentralen Bildschirm gerichtet war. Insgesamt erschien mir die Diskussion dadurch viel fokussierter. Man konnte einzelne Details am 3D-Modell eingehend besprechen. Dies kam insbesondere auch am zweiten Tag zum Tragen, als es darum ging, die Projekte im direkten Vergleich einander gegenüber zu stellen.

Das klingt alles sehr positiv. Gab es auch Enttäuschungen oder unerwartete Stolpersteine?

Wir sind mit der Idee gestartet, dass sich dank des 3D-Modells alle Daten quasi auf Knopfdruck und vollautomatisch generieren und quervergleichen liessen. Es hat sich aber gezeigt, dass dem nicht so ist. Die Aufbereitungsphase für die einzelnen Wettbewerbseingaben war viel aufwändiger, als wir ursprünglich gedacht hatten. Angesichts des Pilotcharakters des Wettbewerbs sind wir aber sehr zuversichtlich, dass wir diesen Prozess in Zukunft noch sehr viel effizienter gestalten können und damit einen echten Mehrwert schaffen: für Entwickler, für Bauherren aber auch für Architekten.

 

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Daniel Kapr
Leiter Virtual Design & Construction

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