Stories

Visu-Suhr-Gleis-1.jpg

Der Schlafwagon ist ausgebucht by Nik Grubenmann

7323 - gemäss neuesten Erhebungen ist dies die Anzahl der leerstehenden Wohnungen im Kanton Aargau. Die nachlassende Nachfrage erklärt nur einen Teil der Leerstände. Oft wird auch ganz einfach an der Zielgruppe vorbeigeplant. Projekte, die genau auf die Bedürfnisse der Wohnungsuchenden zugeschnitten sind, finden auch im Kanton Aargau ihren Absatzmarkt. Der Mietwohnungsbau Gleis 1 am Bahnhof in Suhr zeigt dies beispielhaft. Zum Bezugstermin Anfang April sind fast alle Wohnungen vermietet.

Kompakte Grundrisse bieten viel Wohnlichkeit auf kleinem Raum

Welche Ansprüche haben junge Menschen an ihre erste Wohnung? Oft noch in Ausbildung oder gerade erst ins Berufsleben eingestiegen, ist diese Zielgruppe sehr preissensitiv. Was noch? Die Lage sollte zumindest eine gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr bieten. Platzbedarf? Es darf auch etwas weniger sein. Aber der Grundriss sollte unkompliziert und auch mit einer günstigen Möblierung wohnlich zu gestalten sein. Wenn dann im selben Gebäude noch ein gutes Gastronomie- und Dienstleistungsangebot – sprich zum Beispiel ein Take-Away und ein Coiffeur - zu finden ist, umso besser. 

Praktische Wohnungen in jeder Hinsicht

Die Parzelle direkt am Bahnhof Suhr lässt nicht viele Gedäudetypologien zu; das langgestreckte Rechteck verläuft parallel zu den Geleisen und misst nur gerade 15 Meter in der Tiefe. Auch die auf dem Perimeter gültigen Gestaltungsplanvorgaben schnürten das Korsett für die Ausgestaltung des Wohnbaus noch enger. Die Architektur lehnt sich denn auch folgerichtig an die Gestalt eines Schlafwaggons an; Darin reihen sich kompakte 2-Zimmerwohnungen mit 42 bzw. 50 Quadratmetern Wohnfläche und einer Raumtiefe von 13 Metern und 2,80 Metern Raumhöhe.  Zu den Wohnungen gelangt man über einen den Geleisen zugewandten Laubengang. Eine Besonderheit sind die von unten nach oben geführten Lammellenstoren zur Gangseite. Zur Seite des neuen Bahnhofsplatzes verfügen die Wohnungen zudem über gemütliche, kleine Balkone. Mit einer Schiebetür lässt sich der Schlafbereich ganz einfach vom Wohn- und Küchenbereich abtrennen. Kurz: die Wohnungen bieten alles, was es für ein komfortables, raumsparendes Wohnen braucht.

«Das ist doch ein Hasenstall!»

Andreas Campi, Leiter Entwicklung bei Halter Entwicklungen der für die Projektidee verantwortlich zeichnet, erzählt nicht ohne Stolz vom Werdegang des Baus in Suhr. Entscheidend sei insbesondere die Analyse der unmittelbaren Umgebung gewesen. «Als wir mit der Planung für Gleis 1 begannen, war bereits klar, dass etliche Wohnungen in unmittelbarer Umgebung fast gleichzeitig auf den Markt kommen würden», erzählt Campi. Umso entscheidender sei gewesen, das Projekt konsequent auf die anvisierte Zielgruppe auszurichten: «Junge Erwachsene, Teilzeitstudierende der nahen Bildungseinrichtungen, Mitarbeiter des Kantonsspitals Aarau oder alleinstehende Rentner.» Anfänglich sei die Investorensuche nicht ganz ohne Startschwierigkeiten verlaufen. Einige potenzielle Geldgeber hätten bei den Grundrissen die Nase gerümpft, das Etikett «Hasenstall» sei da und dort gefallen. Die Ausrichtung auf die Zielgruppe ist untern Immobilienentwicklern zwar landläufig ein Lippenbekenntnis, die Umsetzung sei allerdings noch eher die Ausnahme. Es reicht eben nicht, nur die richtigen Mood-Bilder in der Vermarktung zu zeigen. Das gesamte Produkt mit dem Mietpreis in Kombination mit dem Flächenangebot, der verkehrstechnischen Anbindung, der Mikro- und Makrolage und natürlich auch dem Lifestyle muss stimmen. «Das Produkt Gleis 1 hebt sich deutlich von der unmittelbaren Konkurrenz hab. Damit haben wir einen Nerv getroffen, wie der Vermietungsstand zur Eröffnung zeigt», resümiert Campi.

… und was sagen die neuen Bewohner?

Die neuen Bewohner im Gleis 1 Suhr kommen aus dem gesamten Kanton und teilweise auch von ausserhalb. Sascha Salzmann ist aus Seengen nach Suhr gezogen. Gefragt, weshalb er sich für genau diese Wohnung entschieden hat, meint Salzmann, «weil ich hier für wenig Geld viel Aussicht bekomme». Mara Zecevic hingegen gefällt die moderne Architektur des Baus: «Ich wohne im Gleis 1, weil ich moderne Architektur liebe.» Doch die Immobilienentwicklerin Halter hat bei der Ausgestaltung nicht nur an ein jüngeres Publikum gedacht, sondern wollte auch ältere Menschen ansprechen. Esther Röllin, die Rentnerin hat per 1. April eine Wohnung im Gleis 1 bezogen, weil sie Nähe der Einkaufsmöglichkeiten schätzt: «Ich finde alles, was ich für den täglichen Bedarf brauche direkt um die Ecke.»