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100 Jahre Halter (Teil 3) by Monika Burri, Sabine von Fischer

Die Firma Halter, 1918 in Altstetten gegründet, kann dieses Jahr auf ihr 100jähriges Bestehen zurückblicken. Der dritte Teil der dreigliedrigen Firmenchronik steht im Zeichen einer Neupositionierung unter Balz Halter, der das traditionellen Bau- und Immobilienunternehmen in der dritten Generation in einen Spezialisten für Arealentwicklungen überführte.

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Porträt von Balz Halter

1987 stand Balz Halter im Alter von 26 Jahren für die Geschäftsnachfolge bereit. Wie sein Vater hatte der Firmenleiter der dritten Generation an der ETH Zürich Bauingenieurwissenschaften studiert und eine militärische Kaderausbildung absolviert. Für den Jungunternehmer standen grössere strategische Herausforderungen an. In den 1980er Jahren waren fast alle Landreserven im Firmenbesitz überbaut worden, gewichtige Aufträge waren nicht in Aussicht. In einer Entflechtung der Geschäftsfelder und einer Neuausrichtung auf die veränderten Marktbedingungen sah Balz Halter eine Vorwärtsstrategie, um das Familienunternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Die Einführung einer Profitcenter-Organisation und die Umwandlung der Abteilungen Bauunternehmung, Generalunternehmung und Liegenschaftenverwaltung in selbstständige Geschäftsbereiche sollte mehr Transparenz, Rentabilität und unternehmerisches Denken in die Betriebsabläufe bringen. Trotz erheblichem Marktdruck konnte das Unternehmen wachsen und betätigte sich zunehmend in der Agglomeration, so etwa in Birmensdorf, Aesch, Niederhasli, Tagelswangen oder Wettswil.

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Innenhof der Überbauung Limmatwest

In den 1990er-Jahren – mitten im Tiefflug des Immobilienmarkts – engagierte sich Halter für ein innovatives Projekt, das die strategische Ausrichtung des Unternehmens nachhaltig beeinflusste. Auf dem Areal der ehemaligen Textilfirma Schoeller und Co. im Zürcher Industriequartier entwickelte die Firma Halter zusammen mit der Grundeigentümerin, der Hardturm AG, zwischen 1995 und 2001 die Wohn- und Gewerbeüberbauung Limmatwest. Mit der städtebaulich gewagten Offensive einer Grosswohnüberbauung im postindustriellen Niemandsland gelang der Baufirma eine Neupositionierung als Spezialist für Arealentwicklungen und Immobilienmarketing. Die Überbauung Limmatwest wurde zum neuen Firmensitz und zum Referenzobjekt für die Erweiterung der Dienstleistungspalette.

Panorama Wohn- und Gewerbeüberbauung Limmatwest

Anfang der 2000er-Jahre erholte sich der Schweizer Immobilienmarkt, für Investitionen zeichnete sich ein Aufwärtstrend ab. Die Firma Halter konnte sich mehrere Bau-, General- und Totalunternehmeraufträge mit namhaften Architekten und Bauträgern sichern. Ab 2007 operierte das Unternehmen wieder mit einer Dachmarkenstrategie und einer zentralen Gruppenleitung. Gleichzeitig markierte die Umstrukturierung einen Einschnitt in die DNA des Familienunternehmens: Die Bauunternehmung, das langjährige Kerngeschäft der Firma Halter, wurde im Frühjahr 2008 an die Anliker Bauunternehmung verkauft. Neu bildete Halter Entwicklungen einen eigenständigen Unternehmensbereich, der sich auf Immobilien- sowie auf grossräumig und längerfristig angelegte Areal- und Zentrumsentwicklungen spezialisierte.

Schweizweite Expansion

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Limmat Tower in Dietikon

Grossräumige Nutzungskonzepte und Gebietsplanungen in kooperativen Verfahren entwickelte die Halter AG insbesondere im Limmattal, einer typischen Agglomerationslandschaft mit enormem Wachstumsdruck und dezentralen Planungs- und Steuerungsstrukturen. In enger Zusammenarbeit mit politischen und wirtschaftlichen Akteuren engagierte sich die Firma Halter in den Städten Schlieren und Dietikon als treibende Kraft von städtebaulichen Planungsprozessen. Auf ehemaligen Industriebrachen entstanden ambitioniert verdichtete Wohnquartiere und öffentliche Räume mit urbanen Zentrumsfunktionen und beruhigten Verkehrsführungen. Infrastrukturausbau und Standortförderung in allen Wirtschaftszentren der Schweiz eröffneten der Firma Halter seit der Jahrtausendwende attraktive Wachstumschancen. Ab 2004 entwickelte sich das Unternehmen nicht mehr nur über die Stadt-, sondern auch über die Kantonsgrenzen Zürichs hinaus. Mit prestigeträchtigen Projekten wie etwa der neuen Sportarena auf der Allmend in Luzern, dem Zentrum Europaplatz in Bern oder der Umnutzung des alten Transitlagers auf dem Basler Dreispitz-Areal markierte Halter schweizweite Präsenz und richtete ab 2014 in Bern, Luzern, Basel und Lausanne lokal verankerte Zweigstellen ein.

Sportarena auf der Allmend in Luzern
Zentrum Europaplatz mit Haus der Religionen in Bern
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Unternehmenspublikation Komplex 2016

Der Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft als gesellschaftlicher Megatrend des ausgehenden 20. Jahrhunderts spiegelte sich auch in den Geschäftstätigkeiten der Firma Halter. Für die zukunftsfähige Profilierung ihrer Dienstleistungen schickte sich die Firma immer wieder an, entsprechende Kompetenzen aufzubauen oder das erforderliche Know-how ins eigene Haus zu holen – im Prozess- und Planungsmanagement, bei innovativen Gebäudetechniken und Energiekonzepten ebenso wie in der Kommunikation und im Marketing. Mit der umsichtigen Risikobereitschaft der Unternehmensleitung und dank dem Zusammenwirken engagierter und qualifizierter Mitarbeiter gelang der alteingesessenen Zürcher Baufirma, die hauptsächlich in die Landreserven in Familienbesitz investierte, eine Neupositionierung als marktaktives Unternehmen.

Ein Fundament für die Zukunft

Unternehmerisches Denken, Verantwortung gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Engagement für Gesellschaft und Umwelt sowie Investitions- und Innovationsbereitschaft führen wie ein roter Faden durch die 100-jährige Firmengeschichte. Mit geschickten Landkäufen und dem Geschäftsmodell des Eigenbaus hatte der Firmengründer Wilhelm Halter in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein solides Fundament für das Mehrgenerationen-Familienunternehmen gelegt. Mit Unternehmergeist und Einsatzbereitschaft steuerte Jost Halter seine Firma durch die Boomphasen und Rezessionen der Nachkriegszeit. Sein Sohn Balz Halter reagierte als Firmeninhaber der dritten Generation auf die veränderten Marktbedingungen und führte das ursprüngliche Baugeschäft mit Weitsicht und Risikobereitschaft ins prosperierende Schnittfeld von Entwicklung und Realisierung. Heute wird die Halter AG als bedeutendes Unternehmen in der Schweizer Immobilienindustrie und als Pionierin für Arealentwicklungen mit deklarierten Ambitionen im Bereich der Digitalisierung wahrgenommen.

Verwaltungsrat und Gruppenleitung der Halter AG im Februar 2018

Der Text entspricht einer stark gekürzten Version der von Monika Burri und Sabine von Fischer verfassten Firmenchronik, welche im Rahmen der Jubiläumspublikation im Sommer 2018 erscheint.

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