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100 Jahre Halter (Teil 2) by Monika Burri, Sabine von Fischer

Die Firma Halter, 1918 in Altstetten gegründet, kann dieses Jahr auf ihr 100jähriges Bestehen zurückblicken. In Teil zwei der dreifaltigen Firmenchronik führt Jost Halter, Sohn des Firmengründers, das Baugeschäft mit sicherer Hand durch die Boom- und Krisenjahre der Nachkriegszeit.

Das Kriegsende und der unmittelbar einsetzende Wirtschaftsaufschwung brachten einen Bauboom bisher unbekannten Ausmasses. Wie die gesamte Schweizer Baubranche konnte die Firma Halter vom Nachholbedarf aus den Kriegs- und Krisenzeiten profitieren. Insbesondere in den „Stammlanden“ der Firma, den Quartieren Altstetten und Albisrieden, wurden ab 1946 eine grosse Zahl genossenschaftlicher und privater Wohn-, Industrie- und Geschäftsbauten sowie mehrere Aufträge der öffentlichen Hand ausgeführt. Die Baufirma beteiligte sich an wegweisenden Bauten des 20. Jahrhunderts, so etwa dem Franz-Carl-Weber-Lagerhaus von 1955 aus der Feder des Architekten Rudolf Kuhn und an der städtischen Wohnkolonie Farbhof der Architekten Haefeli Moser Steiger von 1957. Grosse Wohnsiedlungen wurden am Letzigraben, in der Ey, im Wydäckerring oder an der Saumacker- und Baslerstrasse realisiert.

Lagerhaus von Franz-Carl-Weber des Architekten Rudolf Kuhn
Wohnkolonie Farbhof der Architekten Haefeli Moser Steiger

Die Auftragsvolumen der Hochkonjunktur konnten nur mit dem Beizug ausländischer Arbeitskräfte bewältigt werden. Zudem wurden betriebliche Anpassungen notwendig, insbesondere eine umfassende Mechanisierung des Maschinenparks und eine effiziente Organisation der Arbeitsabläufe.

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Porträt von Jost Halter

An der Expansion und Modernisierung des Baugeschäfts Halter war Jost Halter (1929–1979), der zweitjüngste Sohn der Unternehmerfamilie, wesentlich beteiligt. Seit Beginn seines Studiums der Bauingenieurwissenschaften an der ETH Zürich war der designierte Geschäftsnachfolger im Unternehmen tätig und unterstützte seine Mutter bei den Führungsaufgaben. 1956 trat Jost Halter, von langjährigen Mitarbeitern, Geschäftspartnern und Familienmitgliedern als visionäre und führungsstarke Persönlichkeit beschrieben, vollumfänglich ins Familienunternehmen ein. Als Geniechef der Schweizer Armee, aktiver Altherr der Studentenverbindung Turicia und Rotarier brachte er ein umfangreiches Beziehungsnetz in die Geschäfte ein.

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50 Jahre Halter

Nach der 1968 erfolgten Erbteilung übernahm Jost Halter als Firmenchef und unbeschränkt haftender Gesellschafter die Geschicke der Bau- und Immobilienfirma. Unter seiner Führung wurde die Abteilung Eigenbau dem Trend der Zeit entsprechend in eine Generalunternehmung umgewandelt. Wie die Konkurrenten am Markt machte die Firma Halter Bauausführungen zu garantierten Preisen und Terminen zu einer umfassenden Dienstleistung. Im selben Jahr feierte das Unternehmen das 50-Jahre-Jubiläum und konnte auf eine beachtliche Bautätigkeit zurückblicken: Rund 1’800 Wohnungen, 200 Einfamilienhäuser, acht grössere Geschäftshäuser, drei Schulhäuser und 20 Gewerbebauten waren in einem halben Jahrhundert errichtet worden.

Konjunkturkrise und Schicksalsschlag

Anfang der 1970er-Jahre nahm die Baufirma einige Projekte in Angriff, welche die Kapazitäten des KMU-Betriebs beinahe restlos absorbierten, unter anderem die Wohn- und Gewerbeüberbauung Im Struppen in Altstetten, wohin das Unternehmen 1974 seinen Firmensitz verlegte. Zudem war die Firma Halter als Generalunternehmerin an der Grossüberbauung Grünau beteiligt, einem von der Stadt Zürich orchestrierten städtebaulichen Prestigeprojekt.

Grossüberbauung Grünau in Zürich

Die Aufträge und Investitionen fielen mitten in den Konjunktureinbruch der 1970er-Jahre. Der Ölpreisschock von 1973 und die nachfolgende Rezession trafen die auf Hochtouren laufende Wirtschaft unerwartet und hinterliessen nicht nur im Baugewerbe deutliche Spuren. Jost Halter begegnete den wirtschaftlichen Herausforderungen mit Weitblick und Engagement, doch die wachstumskritische Haltung in Politik und Gesellschaft machte ihm zunehmend zu schaffen. Mit dem Kauf einer Plantage in Louisiana leistete er sich einen Freiraum für seine unternehmerischen Ambitionen.

Das private Anwesen von Jost Halter in Louisiana (USA)
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Rita Halter-Breitenmoser und Jost Halter

Die volle Umsetzung seiner Pläne konnte er aber nicht mehr miterleben. 1979 starb Jost Halter an den Folgen eines Autounfalls. Einmal mehr musste die Familie einen schweren Schicksalsschlag verkraften. Mit grossem Pflichtgefühl übernahm seine Witwe Rita Halter-Breitenmoser (1929–2013) das Verwaltungsratspräsidium der Halter AG und sicherte zusammen mit dem langjährigen Kadermitarbeiter Hans Tödtli den Fortbestand des Unternehmens und die Übergabe an die dritte Generation.

 

Der Text entspricht einer stark gekürzten Version der von Monika Burri und Sabine von Fischer verfassten Firmenchronik, welche im Rahmen der Jubiläumspublikation im Sommer 2018 erscheint.

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